Bunte Vogeleier – Kunstwerke mit Funktion

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Flora & Fauna Schweiz
Nicht nur der Osterhase färbt seine Eier bunt – auch in unserer Vogelwelt lässt sich eine erstaunliche Vielfalt an Eierfarben finden. Doch warum legen Vögel überhaupt bunte Eier?

Fast unsichtbar

Eine wichtige Funktion der unterschiedlichen Eifärbungen ist es, das Gelege auf dem Untergrund zu tarnen und somit vor Fressfeinden zu schützen. Besonders essentiell ist dies beispielsweise beim Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), der seine grau gesprenkelten Eier direkt auf den Boden der Kiesbank legt: Sie sind von blossem Auge kaum zu entdecken und so auch vor Räubern wie Marder, Fuchs oder Möwe gut geschützt. Bei Vogelarten, die ihre Nester in Höhlen bauen, wie dem Eisvogel (Alcedo atthis), ist die Tarnung dagegen weniger wichtig – ihre Eier sind gut versteckt. Da die Produktion von Farbpigmenten zudem energieaufwändig ist, sind Höhlenbrüter-Eier oft ungefärbt.

Um die vier Eier des Flussregenpfeifers zu entdecken, muss man genau hinschauen. (Bild: Kevin Winterhoff)

Sicher und warm

Nebst Tarnung bringt die Schalenfarbe den sich entwickelnden Küken noch andere Vorteile: Dunklere Eier nehmen Sonnenwärme besser auf und werden deshalb besonders von Vogelarten gelegt, die in kälteren Regionen brüten. Zudem verdicken Farbpigmente die Eierschale und machen sie so stabiler. Bei gefleckten Eiern sammeln sich die Sprenkel deshalb häufig am unteren Ende des Eis, wo es besonders zerbrechlich ist.

Die Eier des Rotkehlchens (Erithacus rubecula) sind durch Farbpigmente verstärkt.

Farbpalette

Die Grundfarbe eines Vogeleis ist aufgrund der kalkhaltigen Schale weiss. Die Färbung der Eier wird über nur zwei Farbpigmente erreicht: Protoporphyrin für eine rötlich-braune, Biliverdin für eine grün-bläuliche Farbe. Durch verschiedene Kombinationen werden so alle möglichen Farbtöne erzeugt. Während bei manchen Färbungen der Zweck eindeutig scheint, ist die Antwort bei den Eiern anderer Vogelarten aber nicht so einfach: Die auffällige blaue Farbe der Amseleier beispielsweise gibt der Wissenschaft immer noch ein Rätsel auf.

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