Viele Hände für die Thurauen
Viele Hände für die Thurauen
Gastbeitrag vom Team Staatswald Wyland
Obwohl die Thurauen sehr naturbelassen wirken, erfordert das rund 300 Hektare grosse Schutzgebiet aus Wald und Offenland gezielte Pflegemassnahmen. Während ein 25 Hektare grosses Naturwaldreservat unter Prozessschutz steht und sich völlig ohne menschliche Eingriffe entwickelt, werden die übrigen Waldflächen vom Staatswaldbetrieb Wyland mit einem durchdachten Pflegeplan bewirtschaftet. Wirksamer Naturschutz bedeutet keineswegs nur den Verzicht auf Pflegeeingriffe: Manche Lebensräume bleiben nur erhalten, wenn sie aktiv offengehalten und gepflegt werden. Jeder Einsatz ist dabei präzise auf die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Ökosystems abgestimmt.
Im Kanton Zürich gibt es kaum noch ursprüngliche Wildnis. Wiesen, Wälder und Feuchtgebiete wurden über viele Jahrzehnte vom Menschen genutzt und geprägt. Würden wir die «Hotspots der Natur» sich selbst überlassen, würden sie ihre ökologische Qualität verlieren. Büsche und Bäume würden sich ausbreiten, wodurch seltene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum verlieren könnten. Die heutige Pflege übernimmt deshalb die Funktion der früheren traditionellen Nutzung und Bewirtschaftung.

Das Team vom Staatswald Wyland bietet an, diese Pflegemassnahmen bei einem Freiwilligeneinsatz kennenzulernen und tatkräftig mitzuhelfen. Kurz vor den Sommerferien verbrachten so alle 3. Klassen des Gymnasiums Hohe Promenade in Zürich einen Vormittag in den Thurauen und halfen bei diversen Arbeiten. Am Nachmittag setzte sich die eine Hälfte der 120 Jugendlichen mit waldpädagogischen Themen auseinander, während die andere Hälfte im Naturzentrum Thurauen eine Führung zum Thema Biodiversität besuchte.

Gerade diese Verbindung von praktischem Einsatz und fachlicher Einordnung macht solche Tage besonders wertvoll. Was am Vormittag mit den eigenen Händen umgesetzt wurde, konnte am Nachmittag hinterfragt, eingeordnet und mit neuem Wissen verknüpft werden. Dabei entstanden auch Fragen darüber, welche Rolle der Mensch in der Natur überhaupt einnehmen soll.
Wie sich seine Sichtweise durch den Einsatz geändert hat, beschreibt einer der Schüler in seinem anschaulichen Bericht:
«Am 7. Juli 2026 haben wir einen Naturschutzeinsatz in den Thurauen absolviert. Naturschutz? Arbeiten? Im Wald?! Wie Sie sich vorstellen können, waren wir am Anfang nicht alle begeistert von dieser Idee, doch schnell merkte ich, dass der Tag nicht nur eine Pflicht sein wird. Denn mit jeder ausgerissenen Goldrute (die uns noch in unseren Träumen verfolgt) und mit jedem weiteren gestapelten Ast, fühlte ich mich besser. Nicht, weil der Tag weiter vorgeschritten war, sondern weil ich mich nützlich fühlte. Nützlich für die Natur, für die Tiere, die jetzt im Aststapel Hausen können, nützlich für die Bäume, die nun frei von Goldruten waren oder für die Blätter, die uns mit ihrem Rauschen den ganzen Tag begleiteten. Uns ist bewusst, dass wir nicht die Natur gerettet oder den Klimawandel mit unserer Arbeit besiegt haben, doch trotzdem fühlte ich mich hilfreich, weil ich etwas Gutes tat. Ich hatte das Gefühl, dass es für das Forstpersonal schön war zu sehen, wie wir uns engagierten und uns unsere Zukunft zusammen mit der Natur nicht ganz egal ist.
Besonders ein Gespräch mit einer Försterin ist mir dabei in Erinnerung geblieben. Wir haben nämlich darüber gesprochen, dass ein Wald durchaus besser im Stande bleibt, wenn man ihn aktiv pflegt. Für mich wirkte das wie ein Paradox, da man doch sonst immer hört, dass man nicht in die Natur eingreifen sollte. Sollte man nicht als Mensch die Finger von der Natur lassen? Haben wir nicht schon genug getan, als wir Flüsse für den eigenen Nutzen begradigten? Doch die Försterin antwortete, dass wir mit der Natur zusammenarbeiten sollen. Mir wurde bewusst, dass wir nicht gemacht sind, um uns zu bekämpfen oder uns zu konkurrenzieren, sondern um uns zu ergänzen. Und ja, ich gehe auch in die Ferien, fliege auch mit dem Flugzeug oder esse Fleisch, doch genau deswegen finde ich es schön, wenn wir zumindest mit dem Naturschutzeinsatz die Möglichkeit haben, uns ein wenig zu engagieren, uns bei der Natur zu bedanken, ihr etwas zurückzugeben oder auch nur einem Igel ein neues Zuhause zu schenken.»
Jan, 3. Klasse, Gymnasium Hohe Promenade
Möchten auch Sie mit Ihrer Gruppe einmal einen Freiwilligeneinsatz absolvieren? Angebote für Gruppen in Zusammenarbeit mit dem Team Staatswald Wyland in den Thurauen können Sie über das Naturzentrum Thurauen buchen.