Der Lichte Wald: Hier wachsen Orchideen!

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Flora & Fauna Schweiz
Plötzlich sieht es ganz anders aus: Der Unterschied zwischen dem Lichten Wald und den übrigen Wäldern der Thurauen fällt sofort auf. Doch wie entstehen Lichte Wälder und warum sind sie für den Naturschutz so wichtig?

Der Lichte Wald: Hier wachsen Orchideen!

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Flora & Fauna Schweiz
Plötzlich sieht es ganz anders aus: Der Unterschied zwischen dem Lichten Wald und den übrigen Wäldern der Thurauen fällt sofort auf. Doch wie entstehen Lichte Wälder und warum sind sie für den Naturschutz so wichtig?

Der Lichte Wald ist geprägt von hohen Waldföhren. In dieser Art von Wald fehlen ein geschlossenes Kronendach und eine durchgehende Strauchschicht. Dadurch gelangt viel Licht auf den Boden. Pflanzen, denen es im dichten Wald zu dunkel wäre, finden hier ideale Bedingungen.

Eine vom Menschen geprägte Landschaft

Ohne menschlichen Einfluss wäre das Schweizer Mittelland fast vollständig bewaldet. Natürliche Wiesen gäbe es nur oberhalb der Waldgrenze, in Waldlichtungen und in Sumpfgebieten. Der Mensch hat diese Landschaften verändert: Sumpfgebiete wurden trockengelegt, Bergwiesen beweidet und Wälder intensiv genutzt. Gleichzeitig entstanden dadurch auch wertvolle Lebensräume, wie eben die Lichten Wälder.

Lichte Wälder entstehen natürlicherweise an Standorten, an denen Bäume und Sträucher trotz viel Licht kaum wachsen können. Viele Lichte Wälder sind durch die historische Waldnutzung entstanden. Früher wurde alles nutzbare Material aus dem Wald entnommen und dadurch wurden die Böden mit der Zeit nährstoffarm. Je magerer ein Standort ist und je mehr Licht in den Wald eindringt, desto grösser ist die Artenvielfalt. In Zeiten des Biodiversitätsverlusts sind solche Lebensräume besonders wertvoll und werden gezielt erhalten oder wiederhergestellt.

Die Orange schraffierten Flächen zeigen die Gebiete mit Lichtem Wald in den Thurauen.

Faszination Orchideen

Zu den Pflanzen, die in den Thurauen im Lichten Wald gefördert werden, gehören verschiedene Orchideenarten. Orchideen stellen spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum und reagieren empfindlich auf Veränderungen. Um ihnen optimale Bedingungen zu bieten, gibt es für die Lichten Wälder der Thurauen einen Pflegeplan. Darin ist festgehalten, wann die Flächen gemäht werden und welche weiteren Massnahmen zur Artenförderung vorgesehen sind.

Die Spitzorchis

Ab Mitte Mai bis Juli leuchten die pinken Blütenstände der Spitzorchis (Anacamptis pyramidalis) in den Lichten Wäldern der Thurauen. Beim Aufblühen ist der Blütenstand spitz oder pyramidenförmig, daher kommt der Name. Die Blüten locken mit ihrer kräftigen Farbe und intensivem Duft Schmetterlinge an, jedoch gibt es keinen Nektar zu holen.

Die Spitzorchis ist dank ihrer auffälligen Farbe und dem grossen Blütenstand einfach zu entdecken.

Die Bienen-Ragwurz

Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) ist weniger auffällig als die Spitzorchis, blüht aber auch im Juni und Juli. Ihre Blüten ahmen Form, Farbe und Geruch einer weiblichen Wildbiene nach. Dadurch werden männliche Bienen angelockt und versuchen, sich mit der Blüte zu paaren. Meistens bestäubt sich die Bienen-Ragwurz jedoch selbst: Die Stiele der Pollenpakete krümmen sich nach unten und bringen so den Pollen mit der Narbe in Kontakt.

Die Bienen-Ragwurz setzt hauptsächlich auf Selbstbestäubung, dadurch kann sie sich unabhängig von Bestäubern fortpflanzen.

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