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LEBENDIGE STEINWÜSTE Ein extremer Lebensraum – und extrem wertvoll: Kiesbänke in den Thurauen. Full view

LEBENDIGE STEINWÜSTE

Im Sommer sind sie von Mensch und Natur gleichermassen begehrt: die Kiesbänke an der Thur. Auf den ersten Blick eine kahle Steinwüste, sind Kiesbänke in Wahrheit voller Leben. 

Wegen dem aktuell sehr tiefen Wasserstand, sind die Kiesbänke in den Thurauen zur Zeit besonders auffällig. Die Besucher schätzen sie als Badeplatz. Für die Natur sind Kiesbänke ein sehr wertvoller Lebensraum. Zum einen sind sie selten, denn Kiesbänke entstehen nur an natürlichen oder naturnahen Flüssen. Zum anderen werden sie von zahlreichen spezialisierte Arten als Brutplatz, Raststätte oder Kinderstube genutzt.

Als Brutplatz nutzt der Flussregenpfeifer die Kiesbänke. Der sehr scheue, etwa amselgrosse Vogel legt stets vier Eier in eine Bodenmulde. Nach drei Wochen schlüpfen die Jungen, die schon zwei Tage später selbständig auf der Kiesbank nach Nahrung suchen. Seit 2011 brüten Flussregenpfeifer wieder regelmässig in den Thurauen, doch mit unterschiedlichem Erfolg. Denn überschwemmt die Thur die Kiesbänke, geht die Brut verloren.

Als Raststätte nutzten verschiedene Vogelarten die Kiesbänke: Stock- und Kolbenenten, Gänsesäger, und Silberreiher schätzen die gute Übersicht, die wärmende Sonne und den einfachen Zugang zum Wasser. Die Watvögel besuchen die Thurauen hingegen hauptsächlich während des Vogelzugs. Auf dem Weg von ihren Brutgebieten im Norden in ihre Winterquartiere in Afrika benötigen sie unterwegs nämlich Plätze, wo sie sich ausruhen und Nahrung finden können. Sie ernähren sich von Kleintieren wie Würmern, Asseln oder Muscheln, die sie im Schlick und unter Steinen finden. Im August beginnt schon der Herbstzug und wir sind gespannt, welche Gäste uns dieses Jahr besuchen.

Als Kinderstube dienen Kiesbänke natürlich den jungen Flussregenpfeifern, aber auch dem Auenwald. Junge Weiden und Pappeln benötigen nämlich viel Licht. Deshalb gedeihen sie nicht im geschlossenen Wald, sondern in den offenen Uferbereichen. Mit ihrem flexiblen Holz und den schmalen Blättern sind sie für Überschwemmungen bestens gewappnet. Aber auch die starke Sonneneinstrahlung macht ihnen keine Probleme. Die Silberweide zum Bespiel schützt sich mit feinen Härchen gegen zu viel Verdunstung. Auf den Kiesbänken in den Thurauen wachsen bereits an mehreren Stellen junge Pappeln und Weiden. Wenn sich die Thur weiter verlagert und die Kiesbänke langsam zu Festland werden, wird an diesen Standorten ein neuer Auenwald entstehen.

Damit im Sommer Mensch und Natur die Kiesbänke nutzen können, teilt die Schutzverordnung das Gebiet in unterschiedliche Zonen. Unsere Ranger oder die Thurauen-App informieren Sie vor Ort über die Regeln und aktuelle Arten. Vielleicht betrachten Sie bei Ihrem nächsten Besuch die Kiesbank mit anderen Augen?

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