Topbar widget area empty.

Thurauenprojekt

Seit 2008 wird die Thur auf den letzten fünf Kilometern renaturiert. Das Projekt bringt aber nicht nur mehr Natur, sondern auch mehr Sicherheit, besseres Ackerland und eine attraktive Infrastruktur für Besucherinnen und Besucher.

Die Renaturierung der Thurauen ist Teil des Projekts Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung. Die Baudirektion des Kantons Zürich, bei der die Federführung für das Thurauenprojekt liegt, verfolgt damit vier Ziele:

  • einen verbesserten Hochwasserschutz für Ellikon am Rhein und das Flaacherfeld
  • bessere Produktionsbedingungen im Flaacherfeld
  • eine ökologische Aufwertung der Thurauen im Sinne der Auenschutzverordnung
  • Erhaltung der Thurauen als Naherholungsgebiet

ETAPPE 1

Nach langjährigen Vorarbeiten wurde 2008 mit der Umsetzung der baulichen Massnahmen begonnen. Der alte Hochwasserschutzdamm um das Flaacher Feld wurde erhöht und zum Teil verlegt, Ellikon am Rhein erhielt einen mobilen Hochwasserschutzdamm und besonders tief liegende Ackerflächen im Flaacher Feld wurden um rund 30 cm aufgeschüttet. An der Thur westlich der Ellikerbrücke wurden sämtliche Uferverbauungen entfernt und ehemalige Altläufe reaktiviert. Mit Aufweitungen und Kiesschüttungen wurde der Thur zudem eine kontrollierte Starthilfe zum Ausbilden von Flussschlaufen gegeben.

Die wertvollen Thurauen bleiben aber auch in Zukunft für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Damit sie die Thurauen geniessen können, ohne die empfindliche Tier- und Pflanzenwelt zu stören, wurden Erholungszonen und diverse Aussichtspunkte eingerichtet. Eine attraktive Infrastruktur mit Feuerstellen, Anlandeplätzen und Holzstegen steht hier zur Verfügung. Andere, ökologisch hochsensible Bereiche wurden hingegen mit einem Betretverbot belegt.

Für die Information und Sensibilisierung der Besucherinnen und Besucher ist seit August 2011 das Naturzentrum verantwortlich. Mit dem Abschluss der 1. Etappe wurde zudem der Rangerdienst Thurauen eingesetzt, der für die Umsetzung der Schutzverordnung zuständig ist. Diese wurde im April 2011 erlassen.

Neben der Renaturierung des Flusslaufs selbst wurden im Bereich Naturschutz vor allem Waldprojekte umgesetzt. So wurden zwei Naturwaldreservate ausgeschieden und die Fläche des Lichten Walds vergrössert. Im Bereich von ehemaligen Altläufen wurden zudem neue Tümpel und offene Korridore angelegt. Die natürliche Verjüngung von typischen Bäumen des Auenwaldes wird gefördert und im Rahmen der Bewirtschaftung werden vorwiegend standortfremde Arten entnommen.

ETAPPE 2

Die zweite Etappe des Thurauenprojekts betrifft den östlichen Teil des Auengebiets zwischen Eggrank und Ellikerbrücke. Die verbleibenden Massnahmen für den Hochwasserschutz, die Renaturierung und für die Erholung werden in zwei Schritten umgesetzt. Die Arbeiten haben im Herbst 2013 begonnen und werden voraussichtlich im Jahr 2017 abgeschlossen.

Teil 1: Uferverbauungen und Eggrank
Die restlichen Längsverbauungen entlang der Thur wurden entfernt, damit der Fluss wieder die Möglichkeit zum Mäandrieren erhält. Südöstlich der Thurbrücke wured das Ufer auf einer Länge von etwa 230m abgeflacht, um den Badegästen einen besseren Zugang zur Thur zu ermöglichen. Im Eggrank wurde die bestehende Verbauung auf der Flussaussenseite abgebrochen und durch Lenkbuhnen ersetzt.

Lenkbuhnen sind quer zum Ufer stehende Dämme auf der Flussohle, die wie Dornen in den Fluss ragen. Die Fliessgeschwindigkeit am Ufer wird dadurch verlangsamt, was Seitenerosion vermindert. Das Ufer wird ökologisch aufgewertet und die dahinter liegende Kantonsstrasse besser geschützt. Der Fluss wurde zudem aus Sicherheitsgründen verbreitert und der Kiesstrand in Richtung Norden verschoben.

Teil 2: Aufweitung und ökologische Aufwertung
Im Bereich «Wannenmacher» wird im Winter 2016/2017 die dritte und damit letzte Aufweitung der Thur gebaut. Gleichzeitig werden in der Region «Inslen» zwei Breschen sowie in der «Engi» ein Durchlass erstellt, damit bei Hochwasser die Auenwälder überflutet werden können. Zudem werden die Landwirtschaftsgebiete «Engihäuli» und «Neugrüt» besser vor Hochwasser geschützt.

Neben der letzten Aufweitung wird bis im Sommer 2017 der Mederbach nordöstlich der Ellikerbrücke renaturiert. Zusätzlich werden in den Gebieten «Inslen» und «Präusselen» verschiedene ökologische Aufwertungen, wie zum Beispiel Weiher oder Magerwiesen, erstellt. Dadurch werden neue Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Alle Arbeiten werden voraussichtlich im Sommer 2017 abgeschlossen.

AUSBLICK

Nach Abschluss aller baulichen Massnahmen im Sommer 2017 wird der Thur die Freiheit gelassen, die Landschaft wieder selbst zu gestalten. Dadurch soll die natürliche Dynamik einer Flussaue wieder wirken können: Die Thur soll wieder in Mäandern fliessen, darf bestimmte Flächen überschwemmen und die Ufer verändern. Dadurch werden auch die typischen Lebensräume einer Flussaue, wie die Weichholzaue wieder von alleine entstehen.

Die Veränderungen werden aber weiterhin von den zuständigen kantonalen Stellen überwacht. Insgesamt neun verschiedene Monitoring-Programme dokumentieren seit Beginn der Umsetzung, wie sich die Thur, ihre Ufer, aber auch Flora und Fauna im Schutzgebiet verändern. Insbesondere die Verlagerung des Flusslaufs ist durch das umliegende Ackerland begrenzt. Deshalb wurde im Rahmen des Projekts ein Perimeter, also eine imaginäre Grenzlinie, festgelegt, welche die Thur nicht überschreiten darf. Erreicht die Thur an irgendeiner Stelle innerhalb des Schutzgebiets diese Linie, wird neu über Massnahmen beraten.

Die bisherigen Veränderungen sind erfreulicherweise positiv. Der Flusslauf entwickelt sich gemäss den Vorhersagen und zahlreiche Tierarten, wie der Flussregenpfeifer, haben bereits von den Aufwertungen profitiert. Im Juni 2013 hat sich während des zehnjährigen Hochwassers gezeigt, dass auch die Hochwasserschutzmassnahmen wirken. Zudem arbeitet die Thur seit der Entfernung ihres Korsetts fleissig mit an der Renaturierung. Es ist beeindruckend, wie stark sich die Thurauen in nur wenigen Jahren verändert haben.  Und man darf gespannt sein, wie es weiter geht.